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Analytik · Artikel 03

Reinheit ≥ 98 %: HPLC und LC-MS als Goldstandard

Schweiz Peptide Redaktion · Juli 2026 · Forschungsstandards

«98 % Reinheit» ist die am häufigsten genannte Zahl in der Welt der Forschungspeptide. Aber was bedeutet dieser Wert genau — und warum reicht er allein nicht aus? Dieser Artikel erklärt die analytischen Grundlagen von HPLC und LC-MS und zeigt, warum erst die Kombination beider Methoden ein vollständiges Qualitätsbild ergibt.

Hinweis

Informationswebsite. Keine medizinische oder rechtliche Beratung. Konsultieren Sie stets eine zugelassene Ärztin oder einen zugelassenen Arzt. Quelle: Swissmedic, swissmedic.ch, Juli 2026.

Die zwei Säulen der Peptid-Analytik

HPLC
Hochleistungsflüssigkeitschromatographie
Trennt Substanzen einer Probe nach chemischen Eigenschaften (Polarität, Ladung) durch eine stationäre Phase. Misst den prozentualen Flächenanteil des Zielpeptids am Gesamtchromatogramm. Ergebnis: Reinheit in Prozent.
Misst: Reinheit
LC-MS
Flüssigchromatographie-Massenspektrometrie
Verbindet Chromatographie mit Massenspektrometrie. Misst die exakte Molekülmasse der Substanz und vergleicht sie mit dem theoretischen Wert des Zielpeptids. Ergebnis: Identitätsbestätigung durch Massenübereinstimmung.
Misst: Identität

Warum HPLC allein nicht ausreicht

HPLC ist eine Trennmethode. Sie misst, welcher Anteil der Probe eine bestimmte Retentionszeit aufweist — also sich auf eine bestimmte Weise durch die Chromatographiesäule bewegt. Ein Peptid mit 99 % HPLC-Reinheit bedeutet: 99 % der gemessenen Substanz hat dieselbe Retentionszeit wie das Zielpeptid erwartet wird.

Das Problem: Eine andere Substanz mit ähnlicher Polarität und Ladung könnte dieselbe Retentionszeit haben. Ohne Massenbestätigung durch LC-MS ist nicht ausgeschlossen, dass ein anderes Molekül mit hoher HPLC-Reinheit vorliegt — aber nicht das gewünschte Peptid.

Konkret: Ein Vial mit «99 % HPLC-Reinheit», das per LC-MS eine abweichende Molekülmasse aufweist, ist entweder ein anderes Peptid oder eine Verunreinigung mit ähnlichem chromatographischem Verhalten. Reinheit ohne Identität ist analytisch unvollständig.

Was LC-MS bestätigt

LC-MS misst die exakte Masse der Substanz in Dalton (Da). Jedes Peptid hat eine eindeutige theoretische Masse, berechnet aus seiner Aminosäuresequenz. Die Messung muss innerhalb einer definierten Fehlertoleranz (typischerweise ≤ 5 ppm) mit dem theoretischen Wert übereinstimmen.

Das Ergebnis ist der «molekulare Fingerabdruck» des Peptids. Ein Massenspektrum, das die korrekte Masse zeigt, bestätigt: Die Substanz ist tatsächlich das angegebene Peptid. Abweichungen deuten auf eine Fälschung, eine fehlerhafte Synthese oder schwerwiegende Verunreinigungen hin.

Reinheitsstufen und ihre Relevanz

HPLC-ReinheitBewertungVerwendung
≥ 98 %Standard (Forschung)Internationaler Mindeststandard für Forschungspeptide
95–97,9 %EingeschränktUnter internationalem Standard — für ernsthafte Forschung unzureichend
< 95 %Nicht akzeptabelZu hoher Verunreinigungsanteil — Risiko unbekannter Nebenprodukte
Keine AngabeKein COAKeine analytische Grundlage — nicht verwertbar

Das Chromatogramm lesen

Ein HPLC-Chromatogramm zeigt Peaks (Kurven) auf einer Zeit-Intensitäts-Achse. Der Hauptpeak entspricht dem Zielpeptid. Kleinere Peaks links und rechts davon sind Verunreinigungen. Die Reinheit in Prozent wird durch den Flächenanteil des Hauptpeaks an der Gesamtfläche aller Peaks berechnet.

Ein gutes Chromatogramm zeigt einen deutlich dominierenden Hauptpeak und wenige, sehr kleine Nebenpeaks. Ein Chromatogramm mit mehreren ähnlich grossen Peaks deutet auf eine stark verunreinigte Probe hin — unabhängig davon, was der Prozentangabewert behauptet.

Was ein LC-MS-Spektrum zeigt

Das Massenspektrum zeigt die Masse/Ladungs-Verhältnisse (m/z) der gemessenen Ionen. Bei einem korrekten Peptid erscheinen die erwarteten Isotopenmuster der theoretischen Masse. Der Hauptpeak sollte der berechneten Masse entsprechen. Abweichungen von mehr als 5 ppm sind Warnsignale.

Schweizer Standard: SAS-akkreditierte Labore

In der Schweiz stellt die Schweizerische Akkreditierungsstelle (SAS) sicher, dass Labore nach ISO/IEC 17025 arbeiten — dem internationalen Standard für Prüf- und Kalibrierlabore. Ein akkreditiertes Labor muss seine Methoden validieren, seine Messunsicherheiten angeben und regelmässig an Ringversuchen teilnehmen.

Bei der Beurteilung eines COA: Den Labornamen und die SAS-Akkreditierungsnummer notieren und unter sas.admin.ch verifizieren. Diese Transparenz ist ein Qualitätsmerkmal. Quelle: SAS Schweizerische Akkreditierungsstelle, sas.admin.ch, Juli 2026.

Fazit

HPLC misst Reinheit. LC-MS bestätigt Identität. Erst beide zusammen — mit unabhängiger Laborakkreditierung und Chargennummer — ergeben ein analytisch belastbares COA. Dieser Standard gilt für seriöse Forschungspeptide weltweit.

COA-Leitfaden: HPLC und LC-MS erklärt
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